Plattdeutsch in der Kirche |
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Die Plattform "Plattdüütsch in de Kark" informiert:
Warum Plattdeutsch in der Kirche?
1. Plattdeutsch ist eine Sprache, die Menschen in Norddeutschland verstehen (etwa 90%) oder selbst sprechen (etwa 55% der Bevölkerung). Nach reformatorischem Verständnis hören und sagen Menschen Gottes Wort in ihrer eigenen Sprache: also auch plattdeutsch.
2. Für viele Menschen gehört Plattdeutsch selbstverständlich in ihren Alltag. Sie sprechen von Gott und mit Gott plattdeutsch - und sind damit nahe an ihrer Lebenswirklichkeit. So soll es sein: Gottes frohe Botschaft will Menschen dort ansprechen und erreichen, wo sie leben.
3. Wer Plattdeutsch versteht, kann in plattdeutschen Gottesdiensten und durch plattdeutsche Gemeindearbeit eigene Zugänge gewinnen zum Glauben. Neues Hören hilft, Verkrustungen aufzubrechen und eigene Schritte zu gehen. Das ist eine der großen Chancen plattdeutscher Gemeindearbeit.
4. Im seelsorgerlichen Gespräch, am Krankenbett und wenn Menschen Trost suchen, hilft besonders der Gebrauch einer gemeinsamen Sprache. Hier liegen verheißungsvolle Möglichkeiten plattdeutscher Gemeindearbeit. Viele Gemeindemitglieder, Seelsorgerinnen und Seelsorger nutzen sie dankbar.
5. Plattdeutsch wird heute meistens gesprochen, weniger geschrieben. Mündliche Sprache braucht kurze Sätze, aktive Rede, ist dialogisch aufgebaut und vor allem erzählend. Das Plattdeutsche legt diese Sprechstrukturen nahe. Auch damit kann Verkündigung in Plattdeutsch Hörerinnen und Hörer unmittelbar ansprechen.
6. Im Hochdeutschen kennen wir für Glaubensdinge viele Fachbegriffe. Sie können helfen, sich zu verständigen. Sie können aber auch zu Formeln erstarren. In der Predigt können Hörerinnen und Hörer Glaubensaussagen dann nicht immer leicht nachvollziehen. Das Plattdeutsche dagegen kennt keine theologischen oder kirchlichen Fachwörter. Wer plattdeutsch predigt, muß weithin ohne diese Fachbegriffe auskommen - Glaubensinhalte also anders beschreiben. Das kann befreien!
7. Wo plattdeutsche Predigt sich an den Strukturen mündlicher Rede ausrichtet, kann sich der Abstand zwischen Gemeinde und Predigenden verringern. Zuhören fällt leichter, wenn erzählt wird - auch bei Taufe, Trauung und Beerdigung.
8. Viele Menschen entdecken ihre Freude am Glauben neu - in plattdeutschen Glaubensgesprächskreisen, Bibelgruppen oder Chören. Dazu gehört auch das Übersetzen!
9. Wo plattdeutsche Andachten oder Gottesdienste von Gemeindemitgliedem gestaltet werden - vielleicht, weil die oder der Geistliche plattdeutsch nicht so gut spricht - entsteht lebendige Zusammenarbeit. Sie wirkt sich bereichernd aus für die Einzelnen wie für die Kirchengemeinde insgesamt.
10. Häufig gestalten Laien plattdeutsche Gemeindearbeit. Sie sind zum Beispiel tätig als Lektorinnen und Lektoren, sie leiten Gemeindekreise und Chöre, organisieren Lesungen oder die plattdeutsche Seite im Gemeindebrief und sie bereiten plattdeutsche Andachten und Gottesdienste vor.
Alle Christinnen und Christen verantworten ihre Gemeinde. Dazu gibt plattdeutsche Gemeindearbeit ihnen vielfältige Möglichkeiten.
In der Gegenwart leben -
sich der Geschichte bewußt sein
Lange feiern norddeutsche Christinnen und Christen ihre Gottesdienste in lateinischer Sprache. In Nebengottesdiensten jedoch, in Predigt und Liedern gebrauchen sie ihre Landessprache. Etwa 1474, fünfzig Jahre vor Luthers Bibelübersetzung, schreiben Nonnen mittelniederdeutsch das Buxtehuder Evangeliar ab.
Mit der Reformation gilt: Alle sollen Gottes Wort verstehen (Mittel-)Niederdeutsch ist die Sprache in Häusern und Kirchen. Viele der Schriften Luthers werden ins Plattdeutsche Übersetzt, auch die Bibel (Bugenhagen, Lübeck 1534). Kirchenordnungen gibt es 'op Platt'.
Seit etwa 1600 spricht die gelehrte Welt hochdeutsch. Plattdeutsch wird die Sprache der 'kleinen Leute', vorwiegend gebraucht in nichtöffentlichen Bereichen. Durch diesen Gebrauch wird der Sprache selbst der Beiklang des Gemüthaft-Heimeligen, Ortsgebundenen zugeschrieben - ein Vorverständnis, das bis in unsere Tage wirkt.
Um 1850 entsteht wieder plattdeutsche Literatur. Erweckungsprediger beginnen mit 'Plattdüütsch in de Kark' im 19. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert feiern Gemeinden Gottesdienste wieder in plattdeutsch. Liederhefte, Predigt-, Andachts- und Gebetbücher werden - bis heute herausgegeben. 1990 wird als gemeinsamer Dachverband aller organisierten Kirchen-Plattdeutschen die Plattform Plattdüütsch in de Kark 48 gegründet. Wir freuen uns über Ihr Interesse und laden Sie ein mitzuwirken!
(nordniedersächsich, nach Robert Burns, mündlich überliefert)
... übrigens:
Plattdeutsch in Europa ist Thema! Mit dem 1. Januar 1999 ist es Gesetz geworden: Das Niederdeutsche ist aufgenommen in die "Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen". Plattdeutsch hat damit offiziell den Rang eines gesellschaftlichen Wertes und gilt als förderungswürdig. Kirchenleute sind gefragt, wenn es um Zusammenarbeit mit anderen geht, die mit und in Plattdeutsch leben. Dabei steht z.B. für Schriftstellerverbände eher die Sprache, für Theaterleute eher die Bühne, für Kirchenleute eher der Glaube im Vordergrund.
Heute engagieren sich Frauen und Männer - darunter sehr viele Laien - aus dem kirchlichen Bereich in ganz Norddeutschland. Neben ihrer Gemeindearbeit sind sie auch überregional tätig: für die Kirchentage, bei Rundfunkandachten, in der Weltgebetstagsarbeit, für Tagungen, Weiterbildung, Forschung und Veröffentlichungen.
(Aus: Dor kummt een Schipp. Plattdüütsch Gesangbook. Missionshandlung Hermannsburg 1992, ISBN 3-87546-072-3)
Kontaktadressen:
Im Dachverband "Plattform Plattdüütsch in de Kark" (gegründet 1990, Vorsitzender Pastor i.R. Dr. Heinrich Kröger, Lönsweg 28, D-29614 Soltau) haben sich zusammengeschlossen:
1. Arbeidskrink "Plattdüütsch in de Kark" in Nordelbien (1947/1975), Pastorin Telse Möller-Göttsche, Am Markt 13, D-25554 Wilster
2. Arbeitsgemeinschaft Plattdüütsch in de Kark Niedersachsen/Bremen (1963) www.plattduetsch-in-de-kark.de, Pastor Walter Scheller, Immenhoop 20, D-29320 Hermannsburg - Geschäftsführerin: Anita Christians-Albrecht, Rhedener Straße 25, D-31303 Burgdorf
3. Plattdüütsk in de Kerken in Westfalen (1980), Pfarrer i.R. Wilhelm Dullweber, Drosselweg 9a, D-32351 Stemwede-Levern
4. Meckelborger Arbeitskrink Plattdüütsch in de Kirch (1982), Pastor Gerhard Voß, Schweriner Straße 81, D-18273 Güstrow
5. Pommerscher Arbeitskreis Plattdüütsch in de Kirch (1986), Pfarrer Karl-Heinz Sadewasser, Grünzer Str. 22, D-17328 Sommersdorf
6. Karkenkring in Oldenburg (1987), Pfarrer i.R. Werner Rossow, Am Schlehdornbusch 11, D-27777 Ganderkesee
7. Kring Plattdüts in Kark in Ostfreesland (1988), Pastor Wilhelm Friedrich Janssen M.A., Kirchweg 1, Westerende-Kirchloog, D-26632 Ihlow, und Pastor Jan-Lübbert Billker, An der Rotbuche 1, D-26802 Oldersum
8. Plattdüütsch in de Kirch Berlin-Brandenburg (1992), Pfarrer Gottfried Winter, Dorfstraße 11, D-19322 Groß Breese
Zum Weiterlesen:
"De Kennung". Zeitschrift für Plattdeutsche Gemeindearbeit. Herausgegeben von der Plattform Plattdüütsch (Adresse siehe oben). Behandelt aktuelle Themen und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit niederdeutscher Kirchenarbeit. 2 Bände und ein Beiheft pro Jahr, Abonnement DM 36,- incl. Versand. ISSN 0722-0774
Plattform "Plattdüütsch in de Kark"
Lönsweg 28
D-29614 Soltau